Krach um Kettensägen-Einsatz

Warum auf einen Schlag Dutzende Bäume entlang der Barleber Straße gefällt wurden

Sturmtief Ylenia ist am Donnerstag über Magdeburg hinweggefegt und hat dabei auch für umgestürzte Bäume gesorgt. Aber auch die Magdeburger Verkehrsbetriebe mussten zur Kettensäge greifen. An der Barleber Straße sind etwa 30 Bäume dem Sturm und der Maßnahme zum Opfer gefallen.

„Ich hätte schreien können“, sagt Jutta Neumann. Die 80-Jährige wohnt am Schrotebogen. Und bislang blickte sie von ihrem Balkon aus auf eine reich begrünte Barleber Straße. Das ist seit Sturmtief Ylenia jedoch anders. „Drei Bäume stürzten beim Sturm um“, berichtet die Magdeburgerin. Bald darauf hörte sie die Motorengeräusche von Kettensägen. Als der Lärm nicht nachließ, wunderte sie sich und wurde nach einer Weile stutzig, berichtet sie und betont: „Es waren ja nur drei Bäume, die umgestürzt waren.“ Als sie wieder auf den Balkon trat, konnte sie es nicht fassen: Fast alle Bäume entlang der Bahnstrecke zwischen Krähenstieg und Neustädter Platz waren abgesägt. Sie ist verärgert und traurig zugleich.

„Ich habe die Bäume groß werden sehen.“

Seit 23 Jahren lebt sie in ihrer Wohnung, hat die Bäume groß werden sehen und sich stets über das grüne Blätterdach, auf das sie aus ihrem Balkon herausblickt, gefreut. Zuvor wohnte sie auf der anderen Straßenseite.

„Da stand hier noch nichts“, erzählt sie. Zwar gibt es immer noch eine Reihe von Bäumen auf der anderen Seite der Straßenbahnlinie und auch entlang der Ziolkowskistraße. Aber das sei kein Ausgleich. Neben dem fehlenden Grün entlang des Gehweges seien schon jetzt die Fahrgeräusche der Straßenbahn stärker wahrzunehmen. In den Sommermonaten fehle nun ein schützendes Blätterdach. Sie fordert zumindest Neupflanzungen entlang der Strecke, damit es einen Ausgleich für die Fällungen gibt, die sie sprachlos machen. Gestern hätten die Leute aus dem Wohnblock geschimpft. Und einige standen auch gestern auf den Balkone und verfolgten sorgenvoll, wie die Stämme der Bäume zerlegt und abtransportiert wurden.

Die Magdeburger Verkehrsbetriebe teilten auf Nachfrage mit, dass die Bäume aus Sicherheitsgründen gefällt worden seien. Gegen 7 Uhr sei den Verkehrsbetrieben durch die Feuerwehr gemeldet worden, dass drei Bäume auf die Gleise gestürzt seien und von der Feuerwehr beräumt worden seien. Nach dieser Information sei der Sachverhalt von den MVB umgehend vor Ort begutachtet worden. „Insgesamt sind 11 Bäume bereits umgestürzt“, informierten die MVB. Weitere Bäume seien stark beschädigt gewesen, Äste seien abgebrochen und die Bäume hätten teils schon schief gestanden. Bei den entwurzelten Bäumen sei anhand des Wurzeltellers zudem zu erkennen gewesen, dass die Hauptwurzeln einen Pilzbefall aufwiesen. Dies sei in den vorangegangenen Prüfperioden von außen nicht zu erkennen gewesen.

Festgestellt wurde in Beratung mit einem Fachunternehmen zudem, dass sich bei einigen noch stehenden Bäumen der Wurzelbereich bei starken Sturmböen bewegte und die Erde dort angehoben habe. So bestand Gefahr für Menschen und die Oberleitung. Das Umweltamt sei umgehend informiert worden. Nach der Feststellung und Beurteilung seitens des Umweltamtes fiel die Entscheidung, dass die noch verbleibenden Bäume einem weiteren Sturm nicht mehr standhalten würden, und die restlichen Bäume wurden gefällt.

Christian Schäfer als Geschäftsführer der Baum Union, die einen Vertrag mit den Magdeburger Verkehrsbetrieben über die Verkehrssicherung hat, erklärte auf Nachfrage, dass die Bäume durch ihre umstürzenden Nachbarn bereits stark in Mitleidenschaft gezogen waren, durch starke Regenfälle sei der Boden zudem aufgeweicht gewesen, so dass andere Bäume ebenfalls „angeschoben“ waren, wie es bei den Experten heißt.

„Die Beteiligten haben sich die Entscheidung nicht leicht gemacht.“

„Die Beteiligten haben sich die Entscheidung nicht leicht gemacht und geschaut, ob nicht Bäume gerettet werden können“, sagt er. Eine Kastanie und eine Eiche konnten so stehen bleiben. Bei den Kirschbäumen seien die Wurzeln von Pilzen befallen und zersetzt gewesen. Durch den Baugrund konnten sie nicht so tief wurzeln. „Heute würde man ganz anders pflanzen, da müssen 12 Kubikmeter Boden ausgetauscht werden. Mit einem guten durchwurzelungsfähigen Boden haben sie eine bessere Standhaftigkeit“, sagt er. Wie viele Bäume dem Sturm und den Folgen zum Opfer fielen, beantworteten die Verkehrsbetriebe nicht. Standen dort genauso viele Bäume wie entlang der gegenüberliegenden Seite der Straßenbahntrasse, sind es etwa 30 Bäume, die weichen mussten. Immerhin: Der Allee-Charakter der Strecke soll wiederhergestellt werden. Bereits im Frühjahr sollen neue Bäume gepflanzt werden, kündigen die Magdeburger Verkehrsbetriebe an.

„Dass sie groß sind, werde ich wohl nicht mehr erleben“, bedauert Jutta Neumann.

(Quelle: Volksstimme, 19.02.2022)

 

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