Barleber Ziegeleiteich: Das Fischsterben geht weiter

Stadtverwaltung sieht derzeit keinen akuten Handlungsbedarf, um Fischsterben in privatem Gewässer am Stadtrand zu beenden

Die Stadtverwaltung sieht derzeit keinen akuten Handlungsbedarf, das jährliche Fischsterben im Barleber Ziegeleiteich am nördlichen Rand der Landeshauptstadt durch eine Wasserzufuhr zu beenden. Das geht aus einer Stellungnahme des zuständigen Beigeordneten Holger Platz hervor. Auf Antrag der Fraktion Gartenpartei/Tierschutzallianz hatte der Stadtrat im Oktober 2019 die Verwaltung beauftragt zu prüfen, wie eine Wasserzufuhr zum Ziegeleiteich ermöglicht werden kann.

Hintergrund war, dass der Teich nach Ansicht der Antragsteller in den vergangenen Jahren zu wenig Wassereinspeisung erfahren habe, immer weiter austrockne und verschlamme. Darum würden unter anderem Fische verenden. Auch wenn es sich um eine Privatfläche handelt, sei die Einhaltung des Tierschutzes zwingend und es sei zu vermeiden, dass Tiere weiterhin qualvoll verenden, obwohl der Stadtverwaltung die Problematik seit längerem bekannt ist, finden die Mitglieder der Fraktion.

Laut Holger Platz habe die Prüfung der Verwaltung ergeben, dass ein Eingreifen der Stadt derzeit nicht erforderlich sei. Zur Begründung heißt es, dass die sogenannte Verlandung von Stillgewässern ein natürlicher Prozess sei. „Dieser erstreckt sich normalerweise über einen langen Zeitraum und bewirkt nach und nach auch die Änderung der Artenausstattung eines solchen Gebietes. Infolge der Dürrejahre 2018 und 2019 trat allerdings eine abrupte Verschärfung der Situation ein. Dies betrifft jedoch nicht nur den Barleber Ziegeleiteich, sondern auch eine Vielzahl anderer kleiner Gewässer“, so Holger Platz in der Stellungnahme.

Dieser Verlandungsprozess bringe zum einen den Verlust des Lebensraumes für einige Arten mit sich, bevorteile aber wieder andere Arten. Ein warmes, flaches Gewässer, das im Sommer austrocknet, sei für die meisten Fischarten problematisch, biete aber für Amphibien ein optimales Laichhabitat. Wolle man in diese Dynamik eingreifen, müsse es hierfür gute Gründe geben. Verschwindet mit dem Kleingewässer dieser Lebensraum in einem größeren Umfeld? Wird ein Biotopverbund unterbrochen? Das Vorkommen welcher besonders schützenswerten Tierarten wäre gefährdet?, heißt es seitens der Stadtverwaltung.

Der Barleber Ziegeleiteich ist seit 1978 unter Schutz gestellt – vor allem wegen seines ornithologischen Wertes. Hier konnten zahlreiche seltene Brutvögel nachgewiesen werden, wie unter anderen Zwergdommel und Zwergtaucher. Seither sind weitere große Gewässer mit dichten Schilfbereichen in unmittelbarer Nähe entstanden wie beispielsweise die Neustädter Seen I und II, der Barleber See II sowie der Adamsee. Bezüglich eines Eingriffs in das Wasserregime des Teiches wäre also aus naturschutzfachlicher Sicht zunächst zu untersuchen, welche Arten aktuell dort ihr Habitat haben. Danach könne die Frage der Entschlammung oder Teilentschlammung geprüft werden. Hierzu sind unter Beachtung der örtlichen Situation Fragen des öffentlichen Interesses sowie private Belange abzuwägen, da sich der See in Privathand befindet, so Holger Platz.

(Quelle: Volksstimme, 14.02.2020)

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