Krumme Nägel und Elefanten aus Marzipan

Richtfest für die neue Zoogastronomie: Ab Ostern 2016 sollen Besucher mit Blick auf den Affenfelsen speisen

Rund 1,5 Millionen Euro fließen in den Bau einer neuen Zoogaststätte. Sie bietet in einem verglasten Holzpavillon samt Außenterrasse Platz für mehr als 200 Gäste und soll zu Ostern 2016 eröffnen. Gestern wurde Richtfest gefeiert.

Ob das hält? Ein alter Richtfestbrauch verpflichtet den Bauherrn, zum Anlass den letzten Nagel ins nunmehr komplette Gebälk des Dachstuhls zu schlagen. Im Zoo kam gestern gleich zwei Bauherren und einer Baufrau diese Aufgabe zu und alle drei versagten kläglich an ihr. Cordula Zander, künftige Betriebsleiterin im Zoorestaurant, Zoodirektor Kai Perret und auch Oberbürgermeister Lutz Trümper hämmerten erst schief, dann schiefer, dann krumm. Nach Zimmermannslogik bedeutet das Dilemma zum Glück keinerlei Schaden für den Bau, sondern nur die Bauherren-Pflicht, für das Missgeschick eine besonders große Lage zu schmeißen. Da ließen sich die Bauherren nicht lumpen.

Die Restaurant-Kette Marché Mövenpick, Miterbauer, Mitfinanzier und künftiger Betreiber des Restaurants, ließ ihr Team aus dem Leipziger Zoo bergeweise Köstlichkeiten auftafeln, die für die Qualität der künftigen Zoogastronomie Gutes verheißen. „Schmeckt besser als bei meiner Oma. Und das will was heißen!“, urteilt ein hungriger Zoo-Azubi nach den ersten Bissen.

Die weltweit agierende Kette Marché International (Hauptsitz in der Schweiz) hatte das Ausschreibungsverfahren unter anderem deshalb gewonnen, weil sie bereit war, sich mit rund 400 000 Euro am Bau zu beteiligen. Es entsteht ein lichtes Holzhaus, zu drei Seiten verglast, für einen guten Ausblick auf die Tiergehege. Im Haus finden 130 Gäste Platz, auf der Terrasse zusätzlich 120. Für Marché ist die Eröffnung des Zoorestaurants – offizieller Name Africambo-Lodge – der Markteinstieg in Sachsen-Anhalt, wie die künftige Restaurant-Leiterin Cordula Zander stolz bemerkt. Sie will mit ihrem neuen Team – aktuell werden rund 20 neue Mitarbeiter gesucht – hohen Ansprüchen gerecht werden. Die hat offenbar auch der Oberbürgermeister: „Bis Ende 2016 werden rund 20 Millionen Euro in den Umbau unseres Zoos geflossen sein. Er hat sich gut entwickelt, hatte bisher aber das Handicap einer nicht besonders einladenden Gastronomie. Jetzt bekommen wir da eine ganz andere Qualität.“ Die Gaststätte soll Besuchern täglich während der Zoo-Öffnungszeit und darüber hinaus für Veranstaltungen am Abend zur Verfügung stehen. Zoodirektor Kai Perret mahnte Zeitdruck beim Bau an: „Die erste Großveranstaltung in der neuen Zoogastronomie haben wir schon verkauft, als die Bodenplatte noch gar nicht gelegt war.“ Die Veranstalter der Reisemesse German Travel Mart wollen 2016 Reisejournalisten aus aller Welt in die Africambo-Lodge einladen. Heißt: Bis dahin muss sie stehen.

Das Restaurant hinter dem alten Dickhäuterhaus ist Teil des Großprojektes Africambo II, bei dem auf 22 000 Quadratmeter Fläche eine neue Elefantenanlage sowie weitere Anlagen für tierische Wohngemeinschaften entstehen. Zu ihnen gehört das neue Gehege für Blutbrustpaviane und Steinböcke vor der Terrasse des neuen Restaurants.

Während die Zoogastronomie zu Ostern 2016 ihre Türen öffnen will, wird das Elefantengehege voraussichtlich erst Anfang 2017 fertiggestellt, sagte der Zoodirektor auf Nachfrage. Mit einer Wiederbelebung des „Affentheaters“, also neuen Streitigkeiten mit Anwohnern bezüglich der neuen Dickhäuteranlage, rechnet Perret nicht.

(Quelle: Volksstimme, 19.11. 2015)

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