Wirtschaftsjunioren werden Paten

Junge Unternehmer unterstützen Sprachgruppen in der IGS Regine Hildebrandt

Die Sprache ist der Schlüssel für Bildung, Ausbildung – und auch für das alltägliche Miteinander. Die Wirtschaftsjunioren Magdeburg unterstützen daher die beiden neu gegründeten Sprachgruppen an der IGS Regine Hildebrandt.

Annette Breitenfeld leitet die Integrierte Gesamtschule „Regine Hildebrandt“ (IGS) an der Pablo-Neruda-Straße. Sie sagt: „Wir haben hier eine Reihe von Schülern aus Flüchtlingsfamilien, die in ihrer früheren Heimat auf dem besten Wege zu einem guten Schulabschluss und damit auch zu einem Studium waren. Jetzt aber stehen ihrem Lebensweg sprachliche Probleme im Weg.“ Die Herausforderung für die Kinder und Jugendlichen aus der Ferne ist nicht neu – angesichts einer höheren Zahl an ähnlichen Fällen hat das Thema aber an Bedeutung gewonnen.

In der IGS im Norden der Stadt sind daher vor wenigen Tagen eigens zwei Sprachgruppen mit 10 und mit 13 Schülern gebildet worden. Für die Gruppe der Jugendlichen ab der achten Klasse ist der Sozialpädagoge Tino Dalichow zuständig. Er studiert berufsbegleitend an der Theologischen Hochschule Friedensau Psychosoziale Beratung. Vor seinem Erststudium hatte er einen Meisterbrief als Maler erworben. Und davor war der Magdeburger bereits in Kontakt mit jenen Menschen, die heute als Flüchtlinge nach Europa kommen: Während seiner Zeit bei der Bundeswehr war er auch in Afghanistan im Einsatz.

Verheiratet ist Tino Dalichow mit Nicole Dalichow, die sich bei den Wirtschaftsjunioren Magdeburg engagiert. Auf kurzem Wege haben die beiden die Idee einer Patenschaft entwickelt. Ein Grund mag sein, dass auch die Wirtschaft talentierten Nachwuchs sucht und es sich nicht leisten kann, das Potenzial junger Flüchtlinge zu verschenken. Startpunkt der Patenschaft war die Übergabe von Lernmaterial für alle 23 Sprachschüler, die derzeit nur in einzelnen Fächern in ihrem Klassenverband lernen.

Praktika sind eine Option

Nicole Dalichow sagt: „Es geht aber vor allem auch darum, dass wir als Türöffner fungieren möchten.“ Zum einen, wenn es um den Besuch von Betrieben oder Praktika geht. Beispiel Schuberth GmbH, namhafter Produzent von Helmen aus Magdeburg. Der Geschäftsführer Jan-Christian Becker ist ebenfalls Mitglied der Wirtschaftsjunioren Magdeburg und hat bereits seine Unterstützung bei der Ausgestaltung der Patenschaft zugesagt. „Er wird bedarfsorientiert Unternehmensführungen oder auch Praktikumsplätze für die ausländischen Schülerinnen und Schüler anbieten“, erläutert Nicole Dalichow. Als Türöffner zum anderen soll die Patenschaft auch dienen, wenn es darum geht, Besuche in Museen und anderen Kultureinrichtungen zu organisieren.

Einer der Schüler, die in der neuen Gruppe lernen, ist Issa Abdulmuti. Der 18-Jährige stammt aus Damaskus, kam ohne Begleitung als Minderjähriger nach Deutschland. Er erzählt: „In Damaskus habe ich noch die zehnte Klasse beenden können.“ Wenn ihm die Flucht nicht gelungen wäre, müsste er jetzt wohl bei einer der Bürgerkriegsparteien kämpfen. Er sagt: „Ich möchte aber niemanden töten, und ich möchte nicht getötet werden.“

Neue Fächer in neuer Heimat

Stattdessen möchte er sich wie früher den Naturwissenschaften, der Mathematik und der Technik widmen. Er sagt: „In diesen Fächern war der Unterricht in Syrien ziemlich anspruchsvoll.“ Völlig neu hingegen sind für ihn Fächer wie Rechtskunde, Astronomie oder Psychologie. Und natürlich: Deutsch. Und obwohl er in den vergangenen beiden Jahren in Deutschland schon recht gut die Sprache seiner neuen Heimat gelernt hat, fehlen zum Beispiel noch viele Fachbegriffe, die gerade in den höheren Klassen gefragt sind.

Tino Dalichow sagt: „Bis zum Halbjahr möchten wir uns intensiv erst einmal mit den Grundlagen beschäftigen, und im zweiten Halbjahr dann verstärkt auf die speziellen Begriffe aus den bei uns unterrichteten Fächern eingehen.“

Neben der Sprache geht es auch um den interkulturellen Austausch: Tino Dalichow hat die Erfahrung gemacht, dass viele Schüler zu wenig über die Traditionen und Werte der anderen wissen – obwohl sie vorher nebeneinander hergelebt haben. Die ersten Wochen zeigen: „Mit Interesse und Offenheit sind diese Barrieren zumindest bei jungen Menschen leicht zu überwinden.“ Auf dem Plan stehen in diesem Zusammenhang Besuche in der Moschee ebenso wie im Magdeburger Dom.

Wenn es mit den Wörtern im Allgemeinen und den Anforderungen ans Abitur im Speziellen klappt, dann hat Issa Abdulmuti schon recht konkrete Vorstellungen: „Ich interessiere mich besonders für das Ingenieurwesen“, sagt er.

(Quelle: Volksstimme, 16.11.2015)

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