Corona verändert den Hort-Alltag

Hort „Weltentdecker“ hofft auf Normalität nach den Sommerferien / Weniger Kinder besuchen die Einrichtung

Die Bedingungen durch die Corona-Pandemie sind für alle nicht einfach. Das zeigt sich dieser Tage auch im Hort „Weltentdecker“. Corona verändert den Hort-Alltag. Das wird im Gespräch mit dem Einrichtungsleiter David Biester deutlich.

Hort in Corona-Zeiten bedeutet für David Biester vor allem offene Fragen und Verunsicherung bei den Eltern. Der Leiter des Hortes „Weltentdecker“ in der Pablo-Neruda-Straße hofft, dass es nach den Sommerferien endlich ein gemeinsames Maßnahmekonzept für Hort und Schule gibt. „Das Sozialministerium ist verantwortlich für die Kitas und Horte, die Schulen unterliegen den Bildungsministerium. Übrig bleiben unterschiedliche Regeln und offene Fragen“, lautet David Biesters Fazit.

Bei den Eltern herrscht eine große Verunsicherung

Eigentlich fährt der Hort in Trägerschaft der Stiftung Evangelische Jugendhilfe Bernburg ein offenes Konzept. Jeder kann in der Einrichtung spielen, wo er möchte und mit wem er möchte. Die verschiedenen Themenräume, darunter Tanz-, Forscher- und Kreativraum, stehen für jeden offen. Eine Trennung durch Altersstufen gibt es nicht. „All das ist nicht mehr möglich“, berichtet David Biester. Gruppen dürften nicht gemischt werden. Die Kinder müssen einzeln zur Toilette. Hinzukommen die Regularien mit der Meldung, dass alle Kinder gesund sind. Listen sind für jeden zu führen und einzureichen. Das kleinere Übel sei da noch das erhöhte Reinigungsaufkommen. Dinge würden jetzt einfach überall anders laufen als sonst, eben weil bestimmte Hygienemaßnahmen eingehalten werden müssten.

„Die Kinder kennen die Regel, machen alles mit, waschen brav Hände, akzeptieren die Gruppenverteilung“, lobt David Biester die Mädchen und Jungen.

Aus einem Hort der offenen Arbeit und der Selbstbestimmung und -verwirklichung der Kinder ist eine Einrichtung mit eingeschränkter Selbstbestimmung geworden. Es gibt feste Gruppen, feste Essenszeiten für die einzelnen Gruppen, das Spielen auf dem Außengelände ist auch geregelt. „Wir müssen Freunde trennen, wenn sie in unterschiedlichen Gruppen sind. Obwohl sie sich außerhalb der Schule und des Horts auf dem Spielplatz treffen“, gibt David Biester zu bedenken.

Eltern haben Angst, dass sich ihre Kinder anstecken

Die Tiergestützte Pädagogik, ein Aushängeschild für die Einrichtung, musste komplett gestrichen werden. „Durch das Hygienekonzept dürfen die Kinder nicht unsere Kaninchen, Meerschweine, Fische und Bartagame versorgen. Das übernimmt derzeit eine Erzieherin“, erzählt David Biester.

Am Hort lernen die Mädchen und Jungen auf diese Weise, was es bedeutet, ein Haustier zu haben, dass man täglich dafür da sein muss, es regelmäßig füttern und das Terrarium oder Gehege reinigen muss. Außerdem lernen die Kinder, dass Tiere eben nicht immer auch Kuschelgefährten sind.

Die Folge des eingeschränkten Hort- und Schulbetriebs, Kurzarbeit und Homeoffice der Eltern: Nur noch etwa 80 Jungen und Mädchen besuchen die Einrichtung. „In der Regel betreuen wir bis zu 270 Kinder“, erzählt David Biester.

Bei den Eltern herrsche eine große Verunsicherung. „Manche Eltern würden auch ihre Kinder nicht zur Schule schicken, wenn es keine Schulpflicht in Deutschland gebe“, berichtet der Hortleiter. Zum einen hätten die Eltern Angst, dass sich ihre Kinder mit dem Coronavirus anstecken könnten, zum anderen hätten die Kinder einfach keine Lust und Freude mehr am Hort, weil das reguläre Freizeitangebot fehle. Das sehe der Leiter auch gerade in der jetzigen Ferienzeit. Nur etwa 20 bis 30 Kinder besuchen die Einrichtung, sonst seien es in den Ferien das doppelte an Schülern. In den Vorjahren unternahmen die Ferienkinder stets verschiedene Ausflüge, doch diese müssen 2020 wegen Corona entfallen. Kein Kino, kein See, kein Elbauenpark oder Freibad. „Unser Kinderrat und das Kollegium haben entschieden, dass wir keine Ausflüge durchführen werden“, erzählt David Biester. Es falle ihm sehr schwer, kein Programm wie üblich planen zu dürfen. „Die Kinder möchten vor allem nicht mit Mundschutz in der Straßenbahn sitzen“, sagt David Biester. Die sechs Wochen Sommerferien verbringen die Hortkinder nun in der Einrichtung.

Die Kinder haben keinen Spaß mehr im Hort

Die Erzieher merken, dass die Kinder mit der derzeitigen Situation unzufrieden sind. „Wir schränken die Kinder nicht nur in ihrer Selbstbestimmung ein, sondern beschränken auch ihre Sozialkontakte“, so David Biester. Aus seiner Sicht kann es so nicht weitergehen. Ein Regelbetrieb für Kitas, Horte und Schulen ist nach den Sommerferien angekündigt. David Biester hofft, dass dann der Hort sein offenes Konzept wieder anbieten kann.

„Die Eltern, Kinder und wir wünschen uns, dass wieder Normalität einkehrt. Für die Zeit nach den Sommerferien braucht es ein gutes gemeinsames Konzept für Hort und Schule“, sagt David Biester.

Etwas Positives gebe es aber, betont David Biester. Während der Schließzeit hat die Stadt die Zeit genutzt, um die Räumlichkeiten zu streichen. Zudem konnten die Erzieher an verschiedenen Online-Fortbildungen teilnehmen.

(Quelle: Volksstimme, 29.07.2020)

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