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Zeitgeschichte - Wie alles begann...

15.04.2011
Magdeburger leben gern in der Landeshauptstadt - Stadtverwaltung legt
umfangreiche Sozialstudie vor
80 Prozent der Magdeburgerinnen und Magdeburger leben gern in der
Landeshauptstadt. Das geht aus einer jetzt veröffentlichten Bürgerbefragung zu
den Lebensumständen der Magdeburger Bevölkerung hervor. Die repräsentative
Dokumentation gewährt ausführliche Einblicke in soziale Zusammenhänge und
Meinungsbilder. Insgesamt 2.570 nach dem Zufallsprinzip ausgewählte
Magdeburgerinnen und Magdeburger beteiligten sich an der Studie, deren Erhebung
sowohl schriftlich als auch über das Internet erfolgte.
Zum Download des 213-seitigen pdf-Dokumentes, 4,3 Mb)

Der Stadtteil
Heute umfasst der Stadtteil mit dem eigenen Badesee eine Fläche von 477,0 ha. Bei
einer Gesamtfläche von 20.157,4 ha in Magdeburg sind das knapp 2,4%. Im Norden
wird der Stadtteil durch die A2, im Westen durch den Magdeburger Ring, im Süden
durch die Nordgrenze des Stadtteils Neue Neustadt und im Osten durch die
S-Bahn-Strecke in Richtung Zielitz begrenzt.

Bevölkerung des Stadtteils gesamt: 11.608 (davon 52,9 %
weiblich)
( Stand: 2009 - Quelle: Amt für Statistik, Magdeburg )
Der See
Der Neustädter See ist ein See im Magdeburger Stadtteil Neustädter See.
Er hat eine Größe von 60 Hektar und wird durch Grundwasser gespeist. Die Tiefe
beträgt an der tiefsten Stelle 6 m. Im auch als Angelgewässer genutzten See
kommen Barsch, Hecht und Aal vor. In der wärmeren Jahreszeit wird der Neustädter
See stark als Badesee genutzt. Am Südufer besteht eine Badeanstalt. Im See ist
eine Strahlenfontaine installiert.
Seine Entstehung verdankt der See dem hier erfolgten Kiesabbau. Insbesondere in
der Zeit der DDR wurden hier große Mengen Kies zur Errichtung des benachbarten
Wohngebietes Neustädter See abgebaut.
Stadtteilchronik
Erste Auflage der Chronik ab sofort erhältlich
Neustädter See - Die Stadtteilgeschichte von 1973 bis heute
Im Rahmen des
Sozialprojektes Neustädter See, gefördert durch das Jobcenter
und die Stadt Magdeburg, startete im Jahr 2009 das IMA Institut für
Marktwirtschaft gGmbH das Projekt „Stadtteilchronik“. Die Stadtteilchronik
Neustädter See wurde in Kooperation mit dem Stadtteilmanagement des
Internationalen Bundes umgesetzt.
IMA Projektleiterin Brigitte Saib und Stadtteilmanagerin Jessica Zedler
präsentieren mit Stolz die erste Auflage der fertigen Stadtteilchronik. Nachdem
eine Ausstellung in mehreren Einrichtungen des Stadtteils erste Eindrücke der
Chronik vermitteln konnte, bestand bis heute nur die Möglichkeit das
vollständige Werk per Internet abzurufen. PDF-Dokument (36 MB)

Ab sofort kann man die Chronik frisch gedruckt in die Hand bekommen. Zahlreiche
Anfragen interessierter Bürger und Bürgerinnen lagen dem Sozialprojekt
Neustädter See und dem Stadtteilmanagment bereits vor.
Im Infotreff Am Seeufer 8 und im Stadtteilbüro Im Brunnenhof 9 warten 500
Exemplare auf ihre neuen Besitzer.
Das Sozialprojekt Neustädter See ruft, mit dem Erscheinen der 1. Auflage,
weiterhin auf, Fotos und Zeitzeugnisse aus der Geschichte des Stadtteils
einzureichen. Damit ergebe sich die Möglichkeit, in Zukunft die Chronik zu
erweitern.
Bis dahin erhoffen sich alle an der Erstellung beteiligten Personen, dass diese
1. Auflage ein reges Interesse findet, Freude bereitet und verdeutlicht, was
sich in bald 40 Jahren am Neustädter See verändert hat. Die Broschüre kann gegen
einen geringen Unkostenbeitrag erworben werden.
Stadtteilzeitung "Der Lindwurm"
Hier finden Sie alle Artikel unserer alle drei Monate erscheinenden
Stadtteilzeitung "Der Lindwurm" - die Zeitung von Bürgern für Bürger für die
Stadtteile Kannenstieg und Neustädter See.

Stadtteilreport 2010
Das Sozialdezernat hat den „Stadtteilreport 2010“ vorgestellt. Dabei wurden 32
der 40 Stadtteile Magdeburgs nach verschiedenen sozialen Kriterien untersucht.
Der letzte Stadtteilreport wurde 2007 erstellt.
Stadtteilreport 2010

Information zum Stadtteilreport 2010

Direktlinks auf dieser Seite
Das Wohnungsbauprogramm
Wohnen in der Platte
Die geheimnisvollen Säulen vom
Neustädter Platz
Schüler finden Beweise für
Kirchentrümmer im Zoo
07.01.2011 - Stadt und
Wohnungsunternehmen verhandeln über Quartiersvereinbarung

Der Stadtteil Neustädter See aus der Luft von Norden:
Geometrische Formen herrschen hier vor. Links im Bild der Neustädter See,
umrahmt von Häusern, recht schlängelt sich der Magdeburger Ring durch das Bild.
In der linken unteren Ecke versteckt sich die Hoffnungsgemeinde am Krähenstieg.
In der Mitte befindet sich das Karree zwischen Barleber Straße und
Salvador-Allende-Straße. Die Dr.-Grosz-Straße befindet sich in der oberen
rechten Ecke, dort wurde erst in dieser Woche das neue Medizinische
Versorgungszentrum der Arbeiterwohlfahrt (AWO) eröffnet.
Foto: Jens-Uwe Jahns (Volksstimme vom 30.08.2007)

Blick auf den Neustädter See mit der Halbinsel an der Westseite.
Foto: N. Eggeling (Volksstimme vom
24.08.2007)
Geschichtlicher Rückblick:
Das Wohnungsbauprogramm
Die Ereignisse des 17. Juni 1953 zogen für die Politik der SED eine Reihe von
Konsequenzen nach sich, die zu einer Verschärfung des politischen und
ideologischen Drucks, andererseits aber auch zu einigen spezifischen
Zugeständnissen führten. Eine der Konsequenzen bestand darin, einen verstärkten
Aufbau der im Krieg schwer zerstörten Städte voranzutreiben (erstes
Wohnungsbauprogramm der DDR). Dazu gehörte der Aufbau Magdeburgs als
sozialistische Großstadt, in dessen Ergebnis die Innenstadt nach dem Vorbild der
Berliner Stalinallee mit großflächigen Wohnbauten im für die Stalinära typischen
„Zuckerbäckerstil” bebaut worden ist. Eine City ist auf diese Weise in der
gesamten Zeit der DDR nicht wieder entstanden. Ähnlich wie in Magdeburg
vollzogen sich auch die Aufbauarbeiten in Dessau, Halberstadt und Zerbst und in
einigen anderen Städten, die durch diese Art von Bauten, zunächst aus
ideologischen Gründen und später wegen fehlender wirtschaftlicher Kraft Gesicht
und Identität verloren.
Im Zuge des Wohnungsbauprogramms der DDR nach dem VIII. Parteitag der SED
erhielten neben den Bezirksstädten auch eine Reihe von Kreisstädten
Trabantenstädte in der zu dieser Zeit üblichen Plattenbauweise. Auch wenn die
Menschen für die Neubauwohnungen zahlreiche Bezeichnungen wie
„Karnickelbuchten”, „Wohnsilos”, „Massenverwahrung”2 entwickelten, stellten
diese Wohnungen eine Verbesserung ihrer Lage dar. Obendrein waren die Mieten
sehr billig, sie machten nicht einmal einen Bruchteil der realen Kosten aus.
Jede Generation entwickelte ihre eigene Beziehung zum Plattenbau. In den
fünfziger und sechziger Jahren kam noch die kleinste Neubauwohnung einem
Lottogewinn gleich, aber auch in den achtziger Jahren war ihre Akzeptanz nicht
unbeträchtlich.
Auch in der DDR-Literatur wurde diese Thematik vielfach und in vielen Facetten
verarbeitet.
Typisch für alle Neubaugebiete der DDR war der Versuch, mit ihnen Klassen-,
Schichten- und Statusunterschiede zumindest oberflächlich aufzuheben. Es wohnten
Akademikerinnen und Akademiker neben Fabrikarbeiterinnen und Fabrikarbeitern,
Kinderreiche neben Alleinstehenden, politische Funktionäre neben politisch
Desinteressierten usw.
Mit der Zeit bildeten sich feine Unterschiede heraus. Besser war, man wohnte nur
im Fünfgeschosser und nicht im Zehngeschosser, in WBS 70 und nicht im P2, im
Randblock mit Blick in das Grüne statt mitten im Wohnkomplex.
Die Neubaugebiete waren in Wohnkomplexe gegliedert, die jeweils über
Kindergärten, Krippen, Schulen, Kaufhallen, Gaststätten, Bibliotheken und
Komplexannahmestellen5 verfügten. In der Regel behielten die Bewohnerinnen und
Bewohner ihre alten Arbeitsplätze und nahmen längere Anfahrtswege in Kauf.
Billige Nahverkehrsmittel und recht gute Verkehrsanbindungen standen zur
Verfügung. Die Größe der Wohnkomplexe waren sehr verschieden. In Kleinstädten
wie Harzgerode, Egeln, Freyburg, Osterburg, Wanzleben umfassten sie einige
hundert Wohnungen, in den Großstädten und Mittelstädten bis zu 10.000 Wohnungen
(Olvenstedt in Magdeburg, Silberhöhe in Halle, Wolfen-Nord, Stendal-Stadtsee).
Drei große Wohnungsbauprogramme wurden in der DDR umgesetzt. Das Programm des
Wiederaufbaus im Stile der Magdeburger Innenstadt ließ sich auf Dauer nicht
halten. Was nutzte den Menschen Einzelbeispiele vom besseren und großzügigem
Wohnen („Arbeiterpaläste”), wenn die Wohnbedingungen der Mehrheit katastrophal
blieben. Der neue Kurs des Wohnungsbauprogrammes im Fünfjahrplan von 1951-1955
wurde durch ein Zusatzprogramm für die „53 wichtigsten Städte der DDR” ergänzt.
Es beinhaltete ein Wiederaufbau- und Minimalprogramm, in dem bei einer
durchschnittlichen Wohnfläche von 42 m² 2-Zimmerwohnungen 50 % und
3-Zimmerwohnungen 40 % des geplanten Wohnungs- bestandes ausmachten. Bis 1965
galt der Slogan „Jedem eine Wohnung”, dem folgte „Jedem seine Wohnung” nach.
Schlagwörter des Bauens waren Industrialisierung und Typisierung. Jedoch wurden
diese beiden Standbeine der sozialistischen Bauwirtschaft ergänzt durch die
„sozialistische Lebensweise” und der Förderung des sozialistischen Bewusstseins.
Damit war der Wohnungsbau politisches, soziales und kulturelles Programm. In der
Praxis führte dies jedoch zur Reduzierung der Wohnflächen. 1958 betrugen 24 %
aller Wohnungen durchschnittlich 61 m² Wohnfläche; 1959 waren jedoch 68 % der
Typenbauten nur noch 56 m² groß. Angestrebt wurden dann nur noch 55 m²
(sogenannte Zweieinhalbzimmerwohnung für max. 4 Personen). 1962 wurden die
Wohnflächen noch einmal auf 49-50 m² gesenkt. Die „Arbeiterpaläste” wie in der
Berliner Stalinallee oder Magdeburger Innenstadt gehörten der Vergangenheit an.
1973 wurde das dritte Wohnungsbauprogramm beschlossen, um die Wohnungsfrage „als
soziales Problem” zu lösen. Der Baustil war nun durch WBS 70 geprägt, der an P2
anknüpfte, aber z. B. von Küche und Bad ohne Fenster wieder abging.
Erst in den 80er-Jahren gab es wirkliche Bemühungen zur Sanierung von
Altbausubstanzen der Städte. Der jahrelange Leerstand und damit eingetretene
Verfall vieler Gebäude sowie der permanente Geld- und Materialmangel führten oft
zum Abriss von Gebäuden. Hinzu kam die Missachtung und auch der Unverstand
gegenüber historischen Bauwerken. E. Honecker formulierte z. B.: „Die
Rekonstruktion einer alten Wohnung darf uns nicht teurer zu stehen kommen als
eine Neubauwohnung. [...] Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des
Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt
es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen.”10 An Stelle
abgerissener Altbauten stehen in den Innenstädten oft kleine Neubaukomplexe, wie
die Neue Neustadt in Magdeburg und Brunoswarte, Domplatz oder Geiststraße in
Halle.
Die Stadt Magdeburg selbst hat in der Zeit der DDR nach den fünfziger Jahren in
den Entwicklungskonzeptionen der DDR beinahe in jeder Hinsicht eine
untergeordnete Rolle gespielt. Der Wiederaufbau Magdeburgs blieb im Vergleich zu
anderen Städten zurück, es wurden keine spektakulären oder über den Durchschnitt
der DDR gehende Bauten errichtet. Das letzte, höheren Ansprüchen genügende,
moderne Bauwerk in Magdeburg - jedenfalls soweit es von der Öffentlichkeit
wahrgenommen werden konnte - war die Elbe-Schwimmhalle, die im Jahre 1962 fertig
gestellt worden ist. Öffentliche Bauten wie Kulturpaläste, Eissportanlagen oder
ähnliche moderne Einrichtungen bekam Magdeburg durch die zentral gelenkte
Bauwirtschaft der DDR nicht mehr zugeteilt.
Jedoch wurden im Bezirk Magdeburg einige kleinere Städte gut erhalten, wie z. B.
die Stadt Wernigerode, die als „bunte Stadt am Harz” zu einem der
Anziehungspunkte mit überregionaler Bedeutung geworden ist, während etwa
Quedlinburg im Bezirk Halle mit seinen einmaligen historischen Bauten und seiner
überragenden Bedeutung für die deutsche Geschichte mehr und mehr zerfiel.
Ein ähnliches Schicksal wie Quedlinburg erfuhr auch Merseburg, das in der Zeit
der preußischen Provinz Sachsen eine Hauptstadtfunktion wahrnahm und nach
schweren Kriegszerstörungen auf das Niveau einer durch die Chemieindustrie
geprägten Kreisstadt herabsank. Andere Städte erhielten bei bedeutenden Jubiläen
- wie Wittenberg und Eisleben im Luther-Jahr 1983 - größere Renovierungen, die
allerdings oft nur Fassadenanstriche waren.
Andererseits haben sich die meisten Orte der Altmark ihre Individualität
erhalten. So hat sich beispielsweise Salzwedel in dieser Zeit durch teilweise
aufwendige Restaurierungen historischer Gebäude von anderen Städten abgehoben
und so Besonderheiten bewahrt. Hier wie auch anderswo war ein ausgeprägter
Bürgersinn entstanden, der oft unter Nutzung örtlicher Möglichkeiten
Voraussetzung für solche Entwicklungen war.
( Quelle:
Geschichte Sachsen-Anhalts )

Wohnungsnot trotz eines aufwändigen
Wohnungsbauprogramms
Trotz eines aufwändigen Wohnungsbauprogramms blieb die Wohnungsnot eine ständige
Begleiterin der DDR. Das Versprechen der Parteitage der SED, bis 1990 "jedem
eine Wohnung" zur Verfügung zu stellen, blieb ebenso auf der Strecke wie der
Arbeiter- und Bauernstaat selbst.
Immerhin hatte Honecker 1984 in Berlin die zweimillionste Wohnung übergeben, die
seit 1971 neu gebaut oder modernisiert wurde. Doch das Blitzlichtgewitter der
Fotografen und Kameramänner an diesem Tage konnte nicht darüber hinwegtäuschen,
dass das ehrgeizige Wohnungsbauprogramm inzwischen Milliardenlöcher in die
Finanzdecke des Staates gefressen hatte. Was soziale Überlegenheit beweisen
sollte, belegte nur die Uneffektivität sozialistischer Planwirtschaft: Ein
ungedeckter Wechsel mehr war geplatzt.
Genormter Komfort: Plattenbau und Möbel
Die Wohnung neuen Typs – meist nur Platte genannt - gab es in allen Gegenden der
DDR. Das war praktisch. Wer sich zufällig in eine fremde Wohnung verirrte,
konnte sich nicht verirren: Couchgarnitur (mit ausziehbarem Bett) rechts,
Anbauwand links, Essecke vor der Durchreiche zur Küche. Genormtes Wohnen, die
Maße der Wohnungen bestimmten die Entwürfe der Möbelhersteller. Schluss mit zu
großer Vielfalt. Üppiges Mobiliar hatte künftig keinen Platz mehr im Neubau.
Schon Ende 1957 präsentierten die Deutschen Werkstätten Hellerau den Typensatz
602, ein funktionelles Möbelprogramm, von dem noch bis 1968 zwölf Varianten
angeboten wurden. Das schuf Platz auf kleinem Raum. Die späteren Nachbildungen
des Programms aus anderen Möbelwerken ersetzten Holz durch Spanplatte, deren
Oberflächentapete Holz nur noch imitierte. Wer nicht genormt wohnen wollte, nahm
im Altbau bewusst weniger Komfort in Kauf. Denn dort gehörte - im Gegensatz zum
Plattenbau - Fernheizung oder fließend warmes Wasser eher zu den Ausnahmen,
wenngleich längst nicht mehr überall das Plumpsklo dominierte.
Auch im Plattenbau reiften nicht alle Träume. Als dem Wohnungsbauprogramm
allmählich das Geld ausging, wurde gespart. So machte eine zusätzliche Wand aus
Drei-Raum-Wohnungen Vier-Raum-Wohnungen. Fahrstühle wurden nun erst für Häuser
genehmigt, die mindestens sechs Etagen hatten - weshalb fortan in Berlin -
anders als in der Provinz - Zehngeschosser die Regel waren. Während auf den
Grünen Wiesen der Republik noch immer die Plattenbauten wuchsen, zerfielen in
den Innenstädten die vom Krieg verschonten wertvollen Altbauten.
Wohnraummangel: "Kommen Sie wieder, wenn Sie verheiratet sind!“
Dienstags und donnerstags war Sprechtag im Wohnungsamt. Die Wartezimmer platzten
aus allen Nähten. Stundenlang standen junge Muttis mit Kleinkindern an der Hand
mehr oder weniger geduldig in der Warteschlange. Die Kinder mitzunehmen, hatte
gute Gründe. Für Familien mit Nachwuchs waren die Aussichten auf eine
Wohnungszuweisung besser. Je mehr Kinder, desto größer die Chance.
Alleinstehende ohne Kinder hatten es dagegen sehr schwer. Sie wurden nicht
selten mit dem Satz abgespeist: "Kommen Sie wieder, wenn Sie verheiratet sind."
Junge Ehepaare mussten sich deshalb oftmals noch Jahre nach ihrer Eheschließung
ein Zimmer in der elterlichen Wohnung teilen.
Großbetriebe verfügten über eigene Wohnungskontingente, die sie an
"verdienstvolle Werktätige" verteilten. Wer Zeit zu Arbeitseinsätzen und ein
wenig Glück hatte, erhaschte vielleicht eine Wohnung einer
Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft (AWG) oder eine der begehrten Altbauwohnungen
aus dem Bestand der 20er Jahre. Sie gehörten den damals entstandenen
Wohnungsgenossenschaften. Über den größten Wohnungsbestand verfügten die
jeweiligen kommunalen Wohnungsgesellschaften. Sie besaßen nicht nur die neuen
Plattenbauten, sondern auch enteignete oder von den Besitzern aufgegebene
Altbauhäuser.
Reparaturen werden selbst gemacht – sofern Material vorhanden ist
Wer eine neue Wohnung zugeteilt bekam, für den erfüllte sich ein lang gehegter
Traum. Sie war zwar nur gemietet, wurde aber wie die eigenen vier Wände
behandelt. Viel Geld und Arbeit investierten die Bewohner in ihr Zuhause: Sie
tapezierten die Wände, fliesten die Bäder und Küchen, besserten die Fußböden aus
und pflegten die Vorgärten… Jeder war sein eigener Tischler, Maurer, Maler oder
Klempner. Nicht, weil es so großen Spaß machte, sondern der alltäglichen Not
gehorchend. Handwerker waren knapp. Wenn es sie gab, fehlte es ihnen oft an
Material. Glücklich, wer eine Sammlung alter Nägel, Schrauben und Holzreste
besaß.
Das Glücksgefühl kannte keine Grenzen, wenn es dem Mieter dank Beziehungen
gelang, seinem Elektriker einen Schutzschalter zu besorgen, ohne den wiederum
eine Modernisierung der elektrischen Anlage undenkbar war. Sonst blieb es bei
der Wahl, entweder die Waschmaschine oder das Bügeleisen anzumachen. Beides
zusammen? Dann flogen die Sicherungen raus.
Elektrische Leitungen anzuschließen, war übrigens die einzige Arbeit, die dem
Freizeithandwerker gesetzlich untersagt war. Alles andere musste (und wusste)
der gelernte DDR-Bürger dank polytechnischer Schulbildung zu bewältigen. Aber
selbst Bienenfleiß, Improvisationstalent und Phantasie hatten ihre Grenzen: Neue
Fenster waren ebenso Raritäten wie Dachziegel, Badewannen, Toilettenbecken,
Zement ... Eine beliebig zu verlängernde Aufzählung.
Selbsthilfe und Nachbarschaftshilfe waren typisch. Und sie wurden in den
Hausgemeinschaften zur Grundlage mancher gemeinsamen Feier.
Billiges Wohnen – teurer Selbstbetrug
Wohnen war billig in der DDR. Zwischen 80 Pfennigen und 1,25 Mark kostete der
Quadratmeter Wohnfläche. Benachteiligt fühlten sich nicht selten Mieter von
Altbauwohnungen. Während sie für Heizung, Kalt- und Warmwasser selbst aufkommen
mussten, war dies in nicht wenigen Plattenbausiedlungen in der ohnehin schon
geringen Miete enthalten. Was paradiesisch auf Erden sein sollte, stellte sich
als komfortabler Selbstbetrug heraus.
Immer aufwendiger mussten die Minipreise subventioniert werden. Staatliche
Subventionen sollten die Distanz überbrücken, die zwischen Erzeugungskosten und
Endverbraucherpreisen klaffte. Was jedem Sechsklassenschüler zu denken gab, war
für die Partei- und Staatsführung immer wieder Anlass, sich zu feiern: das
Preisniveau der 30er Jahre eingefroren zu haben. Aber zu welchen Kosten? Längst
waren beispielsweise die acht Pfennig, die ein Mieter für eine Kilowattstunde
Strom zu zahlen hatte, nur noch ein Bruchteil dessen, was für die Erzeugung
ausgegeben werden musste. Was billig schien, wurde sehr teuer.
( Quelle:
www.mdr.de )

Die Großwohnsiedlung Neustädter See wurde ab 1973 gebaut, bis 1983
entstanden 11 000 Plattenbauwohnungen.
Die geheimnisvollen Säulen vom
Neustädter Platz - Wie kamen sie auf den Festplatz am Neustädter See?
Sträucher
ranken sich wie der Mantel der Zeit um die geheimnisvollen Säulen vom Neustädter
Platz. Die Verzierungen erinnern an Pracht und Herrlichkeit. Weil damit in den
1970er Jahren beim Bau des Großwohngebiets eher sparsam umgegangen wurde, wirken
die Säulen mitten im Plattenbauviertel wie Fremdkörper. Was hat es mit den
steinernen Zeugen vergangener Zeiten auf sich? Die Volksstimme lüftet heute das
Geheimnis.
Auch der Magdeburger Dirk Stegemann interessiert sich für die Herkunft der
rätselhaften Säulen. Er hat aber, wie er berichtet, „totz Nachforschungen nicht
herausfinden können, woher bzw. aus welcher Epoche die zwei Säulen am Neustädter
See stammen“.
Die Volksstimme konnte bei Magdeburger Heimatforschern und früheren Stadtplanern
zunächst auch nichts herausfinden. Bis von einem Nord-Experten aus dem
Tiefbauamt der entscheidende Tipp kam. „Rufen Sie doch einfach mal bei der Firma
Schuster an.“ Und tatsächlich: Der Senior des Magdeburger Unternehmens, Hans P.
H. Schuster, holte prompt zur Antwort aus, schickte aber noch vorweg: „Das weiß
außer mir heute keiner mehr in Magdeburg.“
Der Volksstimme aber verriet Schuster nun sein Geheimnis: „Die Säulen stammen
von dem Barockgebäude Domplatz 2/3, das heute die Landesregierung nutzt. Es
entstand im 18. Jahrhundert. Die Säulen waren Bestandteil des Eingangsbereichs“,
sagt der 78-jährige Magdeburger. Schuster weiter: „Zu DDR-Zeiten war da der VEB
Baureparatur drin, die haben das Gebäude umgestaltet. Die Säulen wollten sie
vernichten.“ Doch das ließ der Chef des Bau- und Natursteinbetriebes nicht zu.
„Ich
habe die Säulen gesichert.“ Später, erzählt Hans H. P. Schuster, erinnerte sich
der stellvertretende Magdeburger Stadtarchitekt Horst Heinemann an die
barock-klassizistischen Natursteinsäulen. Die Großwohnsiedlung wurde ab 1973
gebaut, bis 1983 entstanden 11 000 Plattenbauwohnungen. Schuster: „Ich denke
zwei, drei Jahre nach der Fertigstellung wurden die Säulen aufgestellt, um die
Freifläche am Festplatz aufzuwerten.“
Dazu wurde bei Hans Schuster ein Bronzeabguss einer antiken Plastik bestellt.
„Die wurde aber noch zu DDR-Zeiten mehrfach vom Sockel gestoßen und irgendwann
entfernt. Heute steht sie mit drei anderen Bronze-Plastiken im Gesellschaftshaus
am Klosterbergegarten.“
Die Säulen vom Barockbau am Domplatz blieben am Neustädter See stehen. „Heute
sind sie leider ziemlich vom Gebüsch zugewuchert“, sagt Dirk Stegemann. Text und
Fotos Von Robert Richter (Quelle: Volksstimme vom 22.09.2007)

Schüler finden Beweise für Kirchentrümmer im Zoo
Ausstellung im Giraffenhaus schildert den Wiederaufbau des Tiergartens nach dem
Krieg
Während die Magdeburger über einen möglichen Wiederaufbau der
Ulrichskirche diskutieren, recherchierten Schüler der IGS „Regine Hildebrandt“,
dass nach der Sprengung durch die SEDMachthaber 1956 Trümmer des Gotteshauses
für den Bau von Gebäuden und Gehegen im Zoo verwendet wurden. Auch Steine
anderer zerstörter Kirchen kamen wohl beim Wiederaufbau des Zoos nach dem 2.
Weltkrieg zum Einsatz. Eine Ausstellung berichtet bis 22. November darüber.
„Kirchentrümmer gibt es im Zoo, natürlich. Zum Beispiel die Mauer vom
Wildschweingehege, vom Luchs- und Bärenkäfig oder auch Teile vom Biberteich sind
aus Kirchentrümmersteinen gebaut worden. Und nicht zuletzt auch das
Eingangshäuschen am Vogelgesang samt Umgrenzungsmauer“, sagte Gerd Reiff den
Fünft- und Sechstklässlern der IGS, die in ihrer Freizeit den Wiederaufbau des
Zoos in den 50er und 60er Jahren untersuchten. Gerd Reiff und seine Frau
Brigitte arbeiteten nach dem Krieg 51 Jahre lang im Zoo, berichteten: „Damals
hatten auch ganze Schulklassen für den Tiergarten solche Trümmersteine geborgen,
und gesäubert. Zum Teil stammen die von der deutsch-reformierten Kirche, die
einst gegenüber des Hauses des Handwerks stand, und zum anderen kamen die von
der Ulrichskirche.“
Ortwin Kratzke, der 1964 eine Lehre zum Tierpfleger angefangen hatte und heute
Zootieroberinspektor ist, sagte: „Wahrscheinlich wurde das Kassenhäuschen am
alten Zooeingang Süd mit Kirchentrümmern gebaut. Dies gilt wohl auch für das
Affenhaus, die Rückwand vom ehemaligen Bärenkäfig und die Pfosten der Umzäunung
des Zoos im Vogelgesang. Die Größe und das Material der verwendeten Steine
deuten daraufhin. Von den Leuten, die von Anfang an im Zoo gearbeitet haben,
wurde immer auch bestätigt, dass diese Steine von Kirchen stammen.“ Dr. Tobias
Köppe, der sich für den Wiederaufbau der Ulrichskirche einsetzt, schreibt in
einer Broschüre zur Ausstellung: „Viele Quellen verweisen darauf, dass die
Trümmersteine der Ulrichskirche nach Sprengung der Türme und Abriss des
Kirchenschiffs in den Magdeburger Zoo gebracht worden sind. Tatsächlich finden
sich hier Gebäude, die aus dem gleichen Material wie die Ulrichskirche errichtet
wurden: Bruchstein und Bruchsteinquader mit sparsamer Werksteingliederung aus
regionstypischem Sandstein.“
„Es hat uns alle sonderbar angerührt zu sehen, dass mit großer
Wahrscheinlichkeit tatsächlich Steine von Kirchen benutzt wurden, zum Beispiel
zum Bau des Affenhauses“, sagt Lydia Kaps, katholische Ordensschwester aus
Magdeburg, die das Schülerprojekt unterstützte. Hilfe bekam die Gruppe auch von
Zeitzeugen, die alte Fotos und Postkarten zur Verfügung stellten und den
Schülern Rede und Antwort standen. „Auch wenn manche Gehege nicht mehr
existieren, gibt es zurzeit noch genug Beweise für solche Steine“, sagt Lehrerin
Dr. Angelika Wolters, die mit ihrer Kollegin Andrea Wesch an der IGS das
Forschungsprojekt anschob. Die Idee war im Gespräch mit Zoodirektor Dr. Kai
Perret entstanden. Dr. Angelika Wolters: „Genau den Kirchen zuordnen konnten die
Schüler die Steine nicht – das wäre wohl eine Aufgabe für andere Stadtforscher.“
Die Ausstellung „Kirchentrümmer im Zoo“ ist bis zum 22. November zu den
Zoo-Öffnungszeiten (täglich 9 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit) im
Giraffenhaus zu sehen. Von Robert Richter
(Quelle: Volksstimme vom 23.10.2007)

Die Ausstellung „Kirchentrümmer im Zoo“ besuchte bereits Bauminister Karl-Heinz
Daehre, der hier mit den Forschern der IGS „Regine Hildebrandt“ zu sehen ist.
Hintere Reihe (v. l.) Schülerin Jenny Rappholz, die Lehrerinnen Andrea Wesch und
Dr. Angelika Wolters, Zoodirektor Dr. Kai Perret, Minister Karl-Heinz Daehre,
Schüler Iwan Stenkin. Mittlere Reihe: Madeleine Hannan, Annika Nordhaus, Julia
Papendieck (zeigt ein Foto von Schwester Lydia, die das Projekt unterstützte),
Christina Apel, Jenny Grunert, Sophia Herrmann, Kevin Selle. Vorn: Justin
Fauter, Charline Wienbeck, Minh Trang Vu, Nils Hüttemann. Foto: Privat
29.01.2009
Halberstädter Künstlerpaar schuf Märchenbrunnen 1982
Auch ohne sprudelndes Wasser ist er ein Farbtupfer an trüben
Wintertagen: der Märchenbrunnen auf dem Neustädter Platz. Am 23. Mai 1982 wurde
er zum ersten Wohngebietsfest im Neubauviertel Magdeburg-Nord auf dem damaligen
Paul-Markowski-Platz eingeweiht. Künstlerin Annedore Policek (kleines Foto) aus
Halberstadt hatte den Brunnen, dessen Formen an russische Basiliken erinnern
sollen, gemeinsam mit ihrem Mann Wolfgang geschaffen. Im Sommer 2004 ließ die
Stadt den maroden Märchenbrunnen im Zuge der Neugestaltung des Neustädter
Platzes sanieren. Geplant war das eigentlich nicht – aus Kostengründen. Doch die
Proteste der Stadtteilbewohner zeigten Wirkung. Zur Wiedereinweihung am 27.
September 2004 war auch Annedore Policek begeistert: „Dass ich den Brunnen noch
einmal so sehen darf, ist schön.“ Den Betrieb des Brunnens sponsert übrigens
eine Magdeburger Wohnungsbaugenossenschaft. Fotos (2): Robert Richter
(Quelle: Volksstimme vom 29.01.2009)

18.09.2010
Annedore Policek am Boulevard in Nord - Künstlerin frischt ihre „Plastische
Komposition“ auf
Die „Plastische Komposition“ von Annedore und Wolfgang Policek am Boulevard in
Nord erstrahlt wieder wie neu. Annedore Policek selbst, die seit vielen Jahren
in Halberstadt lebt, übernahm im Auftrag des Kulturbüros der Stadt die
Aufarbeitung und den neuen Anstrich des Kunstwerkes, das Passanten an der Route
vom Neustädter Platz zum See am Wegesrand bewundern können. Unverkennbar ist der
Bezug zu den Formen des Märchenbrunnens auf dem Neustädter Platz. Auch diesen
hatten Annedore und Wolfgang Policek entworfen. Vor einigen Jahren war er
restauriert worden, zwar von Firmen, aber auch unter Mitwirken der Künstlerin.
Von Robert Richter (Quelle: Volksstimme vom 18.09.2010)

Künstlerin Annedore Policek (75). Archivfoto: Jana Halbritter

Die „Plastische Komposition“ von Annedore und Wolfgang Policek am Boulevard in
Nord. Die Künstlerin selbst sorgte für einen neuen Anstrich.
07.01.2011
Stadtplaner: „Nord ist in der jetzigen Dimension nicht zukunftssicher“
Stadt und Wohnungsunternehmen verhandeln über Quartiersvereinbarung für
Kannenstieg und Neustädter See
Das Wohngebiet Magdeburg-Nord mit Kannenstieg und Neustädter See ist
„weder in der jetzigen Dimension, noch in allen Lagen zukunftssicher“. Zu dieser
Einschätzung kommen Stadtplaner in einem bisher nicht veröffentlichten
Strategiepapier (liegt der Volksstimme vor), über das die Stadt bereits mit
Wohnungsunternehmen beraten hat. Überalterung und eine weiter schrumpfende
Bewohnerschaft sind die Gründe. Stadt und Vermieter verhandeln über eine
Quartiersvereinbarung, um gemeinsam gegenzusteuern.
Einst war Nord geplant worden, um die Wohnungsnot zu lindern. Nun droht mehr und
mehr Wohnungsleerstand. Laut der Bevölkerungsprognose des Amtes für Statistik
wird die Einwohnerzahl in Magdeburg-Nord (Kannenstieg und Neustädter See
zusammen) von derzeit rund 16 500 bis zum Jahr 2023 weiter sinken – auf rund 14
450.
Und: Einem prognostizierten Bedarf von nur noch 9150 Wohnungen in Nord im Jahr
2023 steht in der Vorausschau ein Angebot von immer noch rund 10 000 Wohnungen
entgegen. Ein Überangebot wäre also die Folge, würden die Unternehmen den
Wohnraum bis dahin nicht weiter reduzieren. Die Stadtplaner legten den
Vermietern in ihrem Strategiepapier entsprechend dar: „Folgt die Entwicklung dem
aktuellen Trend und würden alle aktuellen Vorhaben zur Bestandsreduzierung
umgesetzt, ergäbe sich im Jahr 2023 in Nord ein struktureller Überhang von 850
Wohnungen.“
Neben ohnehin geplanten oder schon realisierten Abrissen dürfte also weiterer
Rückbau von nicht mehr benötigtem Wohnraum angesagt sein. Wie in diesem Jahr Im
Brunnenhof geschehen und zuvor schon an der Ziolkowskistraße (16-Geschosser).
Für die Zukunft soll ein mit allen Akteuren abgestimmtes Konzept entwickelt und
in einer Quartiersvereinbarung fixiert werden.
Vorbilder sind Neu-Olvenstedt und Neu-Reform. Für beide DDR-Großssiedlungen
schlossen Kommune, Städtische Werke, Verkehrsbetriebe und Vermieter bereits
entsprechende Verträge.
Die konkreten Maßnahmen werden fortlaufend an die tatsächliche Entwicklung
angepasst und alle Vorhaben im Internet sowie auf Stadtteilforen öffentlich
gemacht. Die Quartiersvereinbarung ist nicht zuletzt Basis für Anträge auf Geld
aus Förderprogrammen wie „Stadtumbau Ost“.
Nach diesem Muster könnte im Idealfall auch Nord „gesundschrumpfen“. Vertreter
der Wohnungswirtschaft machten schon mehrfach auf öffentlichen Foren in Nord
deutlich, dass sie auch für Kannenstieg und Neustädter See gern eine
Quartiersvereinbarung abschließen möchten. Darin müsste sich auch die
Stadtverwaltung zu konkreten Investitionen bekennen. In den nächsten Monaten
soll es konkret werden. Und das ist aus Sicht der Stadtplaner auch dringend
notwendig. Denn: „Nord ist weder in der jetzigen Dimension, noch in allen Lagen
zukunftssicher“, so der beauftragte Planer Stephan Westermann.
Als Schwächen werden aufgeführt:
In Nord existiert eine Vielzahl uniformer Wohnungen.
Die Schließung des Nordeingangs hebt die Lagegunst durch den Zoo auf.
Nord ist hochgradig überaltert (zweithöchste Altersquotienten nach Reform:
(60,8); Kannenstieg 51,5; Neustädter See 55,2; Gesamtstadt: 37,3).
Das Papier zählt ebenso die Stärken auf:
Durch die Lage am Seeufer ergeben sich für Magdeburg einmalige Wohnlagen.
Nord verfügt über eine herausragende Infrastruktur.
Der hohe Anteil an Vielgeschossern erfüllt eine Grundanforderung an
altengerechten Wohnraum.
Akzeptierter Wohnstandort: bisher geringer Leerstand, geringe Fluktuation.
Unter dem Strich zeigt sich Planer Westermann optimistisch
und schreibt: „Nord bleibt auch langfristig ein wesentlicher Standort des
Magdeburger Wohnungsmarktes.“
Magdeburg-Nord war ab 1973 auf früherem Ackerland westlich des Kiessees gebaut
worden. Damit entstand dringend benötigter Wohnraum. Bis 1983 wurden hier über
das DDR-Wohnungsbauprogramm mehr als 11 000 Neubauwohnungen geschaffen. Von
Robert Richter (Quelle: Volksstimme vom 07.01.2011)

Quelle: http://foto-video-lehmann.de
26.01.2011
Maix Mayer zeigt „Alphaville – MD“ im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen
Es sind die gewagten, auf die Zukunft gerichteten Formen von Gebäuden aus der
DDR-Zeit, die den Leipziger Künstler Maix Mayer fesseln. Bauingenieur Ulrich
Müther (1934-2007) steht für dieses in die Zukunft Gerichtete zwischen tristen
Plattenbauten. Mayer hat sich mit Müther und dessen kühnen Verwirklichungen
beschäftigt. Was er in Magdeburg fand, was ihn hier inspirierte, zeigt er im
Kunstmuseum Kloster unser Lieben Frauen.
Der Besucher der Ausstellung „Alphaville – MD“ sieht sich beim Betreten des
großen Gewölbes im Kunstmuseum mit sozialistischer Stadtplanung konfrontiert.
Wohnblöcke, Straßen, Schwimmhalle, Bäume, Mehrzweckbauten sind auf einer großen
Spanplatte vereint. Sie zeigt das Zentrum Nord. Auf das einst von der DEWAG
Neubrandenburg Produzierte ist Maix Mayer bei seinen Recherchen im
Stadtplanungsamt Magdeburg gestoßen. „Ich wollte diese modellartige Situation
nutzen“, sagt der Künstler. Die Modelle seien eine Folie für ihn, die vom
ursprünglich Dokumentarischen wegführe. „Ich transformiere sie.“Spiegel
erweitern visuell das Wohngebiet, das mit einer Lichtorgel blitzartig in gelbes,
grünes, rotes Licht getaucht wird. Taktgeber für die Scheinwerfer ist eine CD,
die man nicht hören kann, auf der jedoch nach Aussage des Künstlers ein Gespräch
von Adorno und Ernst Bloch aus dem Jahr 1964 festgehalten ist. Thema:
Möglichkeiten der Utopie heute.
Ein weiteres Modell, eine Collage, vereint ein Papp-Sammelsurium aus
Wohnhäusern, die, so sagt Mayer, nicht mehr zugeordnet werden konnten. Dahinter
laufen Bilder von Baabe, Binz, Saßnitz, Potsdam, Warnemünde, Rostock. Sie zeigen
Arbeiten von Ulrich Müther. Die waren zu DDR-Zeiten bekannt wie die
sprichwörtlichen bunten Hunde. Weil sie außergewöhnlich waren, kühn, visionär.
Der Rettungsturm in seiner Heimat Binz beispielsweise glich einem Ufo, mit dem
Besucher aus einer fernen Welt in der real existierenden DDR gelandet sein
könnten. Der Name Müther steht für Warnemündes Wahrzeichen, den „Teepott“, die
„Ostseeperle“ in Glowe, das Schwimmbad für das ZK-Heim in Baabe, Planetarien
rund um den Globus, für die die DDR als Gegenleistung tausende VW Golfs bekommen
haben soll. Kirchen, Buswartehäuschen, Mehrzweckhallen, Gaststätten wie das
„Ahornblatt“ in Berlin trugen seine Handschrift. Das „Ahornblatt“ ist längst
abgerissen, andere Bauten führen ein tristes Dasein. Bestes Beispiel: die 48 mal
48 Meter große Magdeburger Hyparschale.
Mayer interessiert sich seit vielen Jahren für diese Bauten, mit denen sich
einst Architekten und Ingenieure in die Zukunft dachten. Eine Zukunft, die
heute, wie der Leipziger Künstler sagt, unsere Gegenwart ist. Vor zwei Jahren
hat sich Mayer auf die Suche nach Arbeiten in Deutschland begeben, an denen
Müther mitgewirkt hat. Mayer stieß dabei auch auf Magdeburg und hat sich für
seine jetzige Ausstellung erneut mit der Stadt beschäftigt. Magdeburg nennt er
schmunzelnd „die heimliche Müther-Hauptstadt“ und spricht von der Hyparschale,
den Schirmschalen für den Ladenvorbau in der Julius-Bremer-Straße, der
ehemaligen Gaststätte „Kosmos“ in der Otto-Baer-Straße und deren Pendant im
Norden Magdeburgs. Die Hyparschale (errichtet 1969) gehört zu den
„Protagonisten“ einer Medieninstallation von Mayer, für die er sich neben den
einstigen architektonischen Visionen auch mit dem Heute beschäftigt hat und der
Frage nachgeht, wie Zukunft in der Gegenwart ablesbar wird.
Regisseur Jean-Luc Godard hat sich damit in seinem Film „Alphaville“ (deutscher
Titel: „Lemmy Caution gegen Alpha 60“) beschäftigt, ein Film mit
Science-Fiction- und Film-Noir-Motiven. Die Ausstellung bedient sich des Titels
„Alphaville“, der Godardschen fernen, futuristischen Stadt. „So wie Jean-Luc
Godard über die Zukunft nachdachte, so hat die Architektur der 70er Jahre einen
Blick in die Zukunft gewagt“, sagt Kurator Uwe Gellner. „Alphaville – MD“ ist
bis zum 27. März zu sehen. Von Grit Warnat
(Quelle: Volksstimme vom 26.01.2011)

Blick auf ein altes Modell, das Plattenbauten im Wohngebiet Nord zeigt. Die
Häuser werden von einer Lichtorgel beleuchtet. Für die Lichtimpulse ist ein
Gespräch auf einer CD der Taktgeber. Das Gespräch ist nicht zu hören. Fotos: Uli
Lücke

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