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20.03.2009
Sozialprojekt in Nord soll für andere Stadtteile Vorbild sein
Sozialbeigeordneter Brüning gestern bei offizieller Wiedereröffnung von Wechselstube und Co.
Die Stadtverwaltung will Sozialprojekte wie am Neustädter See in weiteren Stadtteilen, darunter demnächst Neustadt, einführen und die Erfahrungen des 2008 gestarteten Modellvorhabens in Nord auf die ganze Stadt übertragen. Das sagte Magdeburgs Sozialbeigeordneter Werner Brüning gestern bei der Eröffnungsfeier für das „Sozialprojekt Neustädter See II“ im Stadtteilzentrum „Oase“.
Die Regale sind voll von T-Shirts, Hosen und Pullovern. Sachen aus zweiter Hand, die hier von Mitarbeiterinnen aufgearbeitet und notfalls auch umgenäht werden. In der Wechselstube im Ergeschoss des Plattenbaus im Brunnenhof 9 erwarten Leiterin Silvia Schmidt und ihre Mitarbeiterinnen täglich die Besucher.
„Angefangen haben wir mit Kleidung für Babys und Kleinkinder, um Eltern zu helfen. Mit der Zeit wurde das Angebot erweitert, so dass jetzt auch für Erwachsene Sachen getauscht werden“, sagt Silvia Schmidt. Das Prinzip ist einfach: Wer etwas mitbringt, darf auch wieder etwas mitnehmen. Für Bedürftige, die nichts mitbringen können, doch dringend etwas benötigen, wird beim entsprechenden Nachweis – Magdeburg-Pass oder Hartz- IV-Bescheid – notfalls auch eine Ausnahme gemacht.
Die Wechselstube ist Teil des „Sozialprojekts Neustädter See“, für das der Sozialbeigeordnete Hans-Werner Brüning gestern Mittag offiziell die zweite Runde einläutete. Denn die Stadt hat sich zu einer Fortsetzung des 2008 gestarteten Projekts bekannt – und zahlt dafür. Wurde im Vorjahr das Vorhaben mit Geld aus dem Förderprogramm „Soziale Stadt“ von Bund, Land und Kommune zu je einem Drittel finanziert, kommt die Stadt für Betriebs- und Sachkosten, rund 80 000 Euro pro Jahr, nun selbst auf.
Das soll nicht nur 2009 so sein, stellte Brüning in Aussicht. Bei weiterer erfolgreicher Arbeit unter Regie des Projektträgers IMA (Institut für Marktwirtschaft gGmbH) sei ein langfristiger Erhalt geplant.
Die Stadt macht, wie bereits im Vorjahr, mit der Arge gemeinsame Sache. Für die 24 Projektteilnehmer, Langzeitarbeitslose aus dem Magdeburger Norden, finanziert die Arge mit einem Aufwand von rund 72 000 Euro pro Jahr neben Sachkosten Ein-Euro-Jobs. Um Langzeitarbeitslose, die im Sozialprojekt eine Beschäftigung bekommen, f t für den ersten Arbeitsmarkt zu machen und in Arbeit zu vermitteln, betonte IMA-Geschäftsstellenleiter Michael Horstmann.
Nach dem ersten Jahr kann er auf eine Vermittlungsquote von 40 Prozent verweisen. Wobei nicht alle vermittelten Teilnehmer tatsächlich 40-Stunden-Arbeitsverträge in der Tasche, sondern zum Teil mit Minijobs zunächst erst einmal stundenweise Beschäftigungen gefunden hätten.
Gleichzeitig werde durch die Angebote des Sozialprojekts das Miteinander im Stadtteil gestärkt. Neben der Wechselstube soll dazu auch der Infotreff Am Seeufer 8 beitragen. Hier bietet die Künstlerin Elena Segal Malkurse für Kinder und Erwachsene an. Arbeitslose können hier im Internet nach Stellen suchen, Bewerbungen schreiben und online versenden, dazu die Hilfe der Mitarbeiter des Sozialprojekts in Anspruch nehmen. Beim Handarbeitstreff dreht sich im Infotreff regelmäßig alles um Sticken, Stricken und Häkeln. Und die Stadtteilgeschichte soll mithilfe interessierter Bewohner auch aufgearbeitet werden.
Von Robert Richter(Quelle: Volksstimme vom 20.03.2009)